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Porgo Tagträumer

Porgo Tagträumer

Wie wollen wir entscheiden, wohin wir gehen,
wenn wir nicht wissen, woher wir kommen?

Warum die Eiche gezackte Blätter hat

Es ist schon etliche Zeit her, da lebte ein armer Mann, der hatte viele Kinder. Er und seine Frau liebten die Kinder sehr und sie sorgten für sie, so gut sie nur konnten. Aber sie besaßen kein Stückchen Land, kein Vieh, weder Kuh noch Pferd und so musste der Mann sich als Tagelöhner bei reichen Leuten verdienen. Was er heim brachte, war zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig. Eines Tages geriet er so in Zorn über die Not, dass er ausrief: „Himmel und Hölle, uns kann nur der Teufel noch helfen in unserer Not.“
„Du hast mich gerufen, hier bin ich, der Teufel. Ich will dir helfen.“
Der arme Mann erschrak, als er hörte, wer da plötzlich als Jäger verkleidet vor ihm stand. Der Teufel lachte. „Ich will dir helfen.“
Da nahm der Mann all seinen Mut zusammen. „Du, du siehst doch, was mir fehlt. Ein gutes Stück Feld, ein paar Pferde und ein Pflug, damit Frau und Kinder endlich einmal satt werden.“
„Wenn's weiter nichts ist, sollst du's haben.“
Der Teufel schnippte mit den Fingern und auf dem Tisch stand ein Topf, bis zum Rand gefüllt mit Goldstücken.
Da staunte der arme Mann: „Teufel auch, ein Tontopf und voller Gold und auf meinem Tisch.“
„Damit kannst du dir all das kaufen. Mir aber musst du auch etwas geben.“
„Und was wäre das?“
„Dich.“
„Mich?“
„Dich selbst.“
„Wie soll ich mein Feld bestellen, sähen, ernten?“
„Nach der Ernte hol dich, in einem halben Jahr.“
„In einem halben Jahr, das ist zu kurz. Weißt du was? Hol mich, wenn alle Blätter von den Bäumen sind, na?“
„Im Teufels Namen!“
Und so, wie er gekommen, war der Teufel verschwunden. Nur der Topf mit den Goldstücken blieb auf dem Tisch.
Die Frau des armen Mannes aber rang die Hände vor Verzweiflung. „Was hast du getan, der Teufel soll dich holen. Der Teufel wird dich holen.“
„Der Teufel ist klug, ein armer Mann aber muss klüger sein als alle Teufel zusammen, sonst stünde es schlecht mit ihm und der Welt.“

Endlich konnte der Mann ein Feld, Pferde und einen Pflug bezahlen und die Saat ausbringen. Nach dem Sommer brachte er von seinem Feld eine reiche Ernte heim, die Kinder hatten genug zu essen. Jeden Tag wurden sie satt und waren vergnügt. Nur die Frau wurde von Tag zu Tag trauriger, sah auf die Bäume und sah, wie die Blätter gelb wurden, eines nach dem anderen von den Zweigen fiel bis sie kahl waren. Da erschien der Teufel.
„Die Blätter sind alle gefallen, ich komme dich holen, deine Zeit ist um.“
„Die Blätter sind gefallen, das ist wahr, Hinkefuß. Aber noch nicht alle. Sieh den Wald da drüben. Die Eichen sind noch voll von Blättern. Da musst du schon noch einmal kommen.“
„Darauf kannst du dich verlassen. Teufel auch!“

Die Zeit verging, der Winter kam, Schnee fiel, die kahlen Bäume zitterten im Wind. Der Eichenhain auf dem Hügel aber trug immer noch Blätter und als der Teufel im Schnee vor der Hütte erschien, lachte der arme Mann. „Du siehst, noch immer sind nicht alle Blätter von den Bäumen, Freund. Du musst später wiederkommen, später, viel später.“
Der Teufel knirschte mit den Zähnen, stampfte mit seinem Pferdefuß im Schnee herum und verschwand.

Kaum aber war im Frühling das Eis getaut, der Schnee geschmolzen, da kam er zum dritten Mal. An den Eichen zitterten noch immer die Blätter vom vorigen Jahr im Wind, die anderen Bäume aber begannen schon, sacht zu grünen.
„Schau hin, Teufel, noch sind nicht alle Blätter gefallen und schon kommen die neuen, was sagst du?“
„Geh zum Teufel.“
Der Teufel sah, dass der arme Mann ihn überlistet hatte. Wütend schlug er die Finger in die zarten jungen Blätter der Eichen, die neben den alten hervorkamen und verschwand. Die Eichenblätter aber, die vor dem einen schönen glatten Rand hatten, waren jetzt gezackt. Sie trugen die Spuren von des Teufels Händen und tragen sie bis heute. Und bis zum heutigen Tag wirft die Eiche ihre Blätter erst im Frühling ab, wenn schon die neuen grünen.

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© Danny Liebig