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Porgo Tagträumer

Porgo Tagträumer

Wie wollen wir entscheiden, wohin wir gehen,
wenn wir nicht wissen, woher wir kommen?

Woher die Melonen kommen

Wisst ihr eigentlich, woher die Melonen kommen? Diese herrlichen, saftigen Kugeln, größer als ein Fußball, süßer als Honig?

Es wird erzählt, dass einst ein mächtiger Kaiser lebte und da er im blauen Kaiserreich herrschte, war er der blaue Kaiser. Gerade zu der Zeit aber bedrohte ein schrecklicher Drache den blauen Kaiser und seinen Palast. Von den Bergen herab stürzte der Drache direkt vor das Palasttor und begehrte mit flammenden Nüstern Einlass.
Der erschrockene Kaiser rief eilig seine Ratgeber zusammen. „Ihr seid kluge Köpfe, ich bezahle euch gut. Ratet mir, meine Freunde, was soll ich tun? Ihr schweigt?“
„Lass alle Handwerker im Palast zusammenkommen und befiehl, dass sie ihr Werkzeug mitbringen.“

Der älteste und weiseste der Weisen hatte den Kaiser gut beraten.
Als die Handwerker sich versammelten, hörte der Drache am Tor auf zu brüllen und zu trommeln. Er ergriff einen Tischler, der seine Säge bei sich trug, nahm ihn auf den Rücken und verschwand mit ihm in den Bergen.
Der Tischler war vor Angst halb tot, als der Drache ihn in seiner Höhle auf den Boden setzte. In der Höhle aber lag die Frau des Drachen und konnte kaum noch atmen. Am Abend hatte sie eine Ziege verschlungen. Die Ziege aber war ihr mit den Hörnern im Rachen stecken geblieben. Die Drachenfrau war dem Ersticken nahe. Der Tischler sägte der Ziege die Hörner ab, so dass die Drachenfrau sie endlich hinabwürgen konnte. Der Drache brüllte vor Freude. Ein großes Feuerwerk kam aus seinem aufgerissenen Rachen, überglücklich beschenkte er den Tischler mit einem Beutel voller Gold. Für den Kaiser aber schickte er einen Korb wundersamer Körner mit.

Als der Tischler den Korb im Palast abgab, wunderte sich der Kaiser und rief seine Ratgeber zusammen: „Ihr seid kluge Köpfe, ich bezahle euch gut. Sagt mir, was sind das für Körner? Was soll ich damit anfangen? Ihr schweigt?“
„Lass sie aussäen, Kaiser, übers Jahr wirst du sehen, was daraus wird.“

Der älteste und weiseste der Weisen hatte gut geraten.
Nach einem Jahr wuchsen aus den Körnern Pflanzen mit großen Blättern und langen Ranken. Aus den Ranken aber kamen Blüten und aus den Blüten wurden bald darauf große, kugelige Früchte. Der Kaiser ließ die Früchte aufschneiden und er sah, die Früchte waren in ihrem Innern herrlich rot und voller köstlichen Saftes.
Da wunderte sich der blaue Kaiser und rief wieder seine Ratgeber zusammen: „Ihr seid kluge Köpfe, ich bezahle euch gut. Sagt mir, was soll ich machen mit diesen Drachenfrüchten? Wie erfahre ich, ob sie giftig oder essbar sind? Ihr schweigt?“
„Gib ein Stück dieser Frucht einem Hund, ein anderes einer Ziege und ein drittes dem Tischler zu fressen und du wirst sehen, ob sie giftig sind.“

Der älteste und weiseste der Weisen hatte gesprochen.
Der Hund fraß ein Stück von der Frucht und blieb am Leben, die Ziege fraß ein Stück und nahm keinen Schaden. Der Tischler kostete von der Frucht und schnalzte mit der Zunge, so hatte es ihm geschmeckt. Da fürchtete auch der Kaiser die seltsamen Früchte nicht mehr. Er genoss sie, solange er lebte, und er gab den Früchten, die ihm der Drache geschenkt hatte, einen Namen: Er nannte sie Melonen.

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© Danny Liebig