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Porgo Tagträumer

Porgo Tagträumer

Wie wollen wir entscheiden, wohin wir gehen,
wenn wir nicht wissen, woher wir kommen?

Warum die Bäume nicht mehr sprechen können

In jener Zeit, da konnten nicht nur die Menschen schon sprechen, sondern auch die Tiere und sogar, ja, auch die Bäume konnten damals sprechen. Die Sonne hörte gern, wenn die Bäume leise sangen oder flüsterten, lachten oder weinten. Eines Tages aber geriet sie in großen Zorn über die Bäume und das kam so.

Als die Sonne die Blätter an die Bäume verteilt hatte, waren alle zufrieden, nur die Fichte, die Tanne und die Kiefer nicht. Sie hatten feine und spitze Nadeln bekommen und die Nadeln fielen im Herbst ab wie die Blätter der anderen Bäume.
Die Fichte, die Tanne und die Kiefer aber sagten zur Sonne: „Diese feinen spitzen Blätter mögen wir nicht, gib uns andere, solche wie kein Baum auf der Erde sie hat.“
Die Sonne erfüllte ihnen den Wunsch. Sie bekamen Blätter aus reiner Seide. Bald aber waren die seidenen Blätter vom Regen aufgeweicht. Da beklagten die Fichte, die Tanne und die Kiefer sich abermals bei der Sonne: „Der Regen hat unsere Blätter verdorben, gib uns andere, bessere.“
So schenkte die Sonne ihnen Blätter aus reinem Kristall. Aber schon bald zerbrach der Wind die kristallenen Blätter und die Tanne, die Fichte und die Kiefer beklagten sich bei der Sonne: „Der Wind hat unsere Blätter zerbrochen, gib uns bessere.“

Da wurde die Sonne zornig. Sie gab ihnen ihre alten Nadeln zurück, nur eines gestand sie ihnen zu: die Nadeln fielen fortan im Winter nicht mehr ab und Regen und Wind konnten ihnen nichts anhaben. Damit aber kein Baum sich je wieder bei ihr beklagen konnte, nahm die Sonne der Fichte, der Tanne, der Kiefer und allen anderen Bäumen die Sprache. Nur den Gesang ließ ihnen. Ihr hört ihn immer dann, wenn der Wind durch die Zweige der Bäume und über ihre Wipfel streicht.

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© Danny Liebig