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Porgo Tagträumer

Porgo Tagträumer

Wie wollen wir entscheiden, wohin wir gehen,
wenn wir nicht wissen, woher wir kommen?

Warum der Schnee dem Schneeglöckchen nicht schadet

Vor langer, langer Zeit war der Schnee unansehnlich und blass. Das Gras war grün, der Himmel blau, die Rosen rot und golden die Sonne. Nur an den Schnee hatte keiner gedacht. Als es Winter wurde und er vom Himmel fiel, da war er nicht schwarz und nicht weiß und nicht blau und nicht rot, er war ohne jede Farbe. Vor Scham wäre am liebsten gleich wieder vergangen. Er wusste, die Kinder liebten ihn sehr, was sollte er tun?
Er ging zur Erde, um sie zu bitten, ihm etwas von ihrer Farbe abzugeben. Die Erde aber schlief tief und fest.
Da bat er das Gras: „Gib mir ein wenig von deiner grünen Farbe, Gras.“ Das Gras aber war geizig, so viel Grün hatte es im Winter schließlich auch nicht mehr. Es tat, als höre es die Bitte des Schnees nicht.
Da ging er zur Rose: „Gib mir von deiner schönen roten Farbe.“ Die Rose wandte sich jedoch stolz zur Seite.
Da rief der Schnee in den Himmel hinauf: „Hast du ein wenig Blau für mich, Himmel?“ Der Himmel aber war so weit und hoch, über allen Dingen, er hörte ihn nicht.
Auch die Sonne bat der Schnee, aber sie ging gerade unter und hatte keine Zeit mehr, ihm zu antworten.

So musste der Schnee, farblos wie er war, weiterziehen. Kurz vor der Nacht blieb er bei einem bescheidenen, weißen Blümchen am Waldrand stehen. „Könntest du vielleicht ein wenig von deiner schönen Farbe entbehren?“
„Warum nicht? Nimm dir, nimm dir so viel du brauchst.“
So bekam der Schnee doch noch seine Farbe und hat bis heute. Die Blume aber heißt seither Schneeglöckchen und ihren zarten, weißen Blüten fügt der Schnee selbst im tiefsten Frost keinen Schaden zu. Mit seinem großen weißen Mantel wärmt er das Schneeglöckchen.

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© Danny Liebig